hexperiment X

Samstag, 13. August 2016

«Wann treffen wir drei wieder zusammen»

Uraufführung von und mit Isabelle Menke (Schauspielerin), Bo Wiget (Performer/Musiker), Eva Brunner (Schauspielerin)

Der da. Und jener. Und die. Und die dort. – Der Verdacht ist der Ausgangspunkt für das Stück Wann treffen wir drei wieder zusammen. Die Vermutung, dass jener Mann oder jene Frau Schaden zufügt. Der Argwohn führte zur Zeit der Hexenverfolgung in Europa zwangsläufig zu einer Flut von Denunziation und Anklagen. Auch heute findet sich dieses Muster von Verdacht und Verrat in repressiven Herrschaftssystemen wie etwa der ehemaligen Sowjetunion.

Folgerichtig verorten Isabelle Menke, Eva Brunner und Bo Wiget ihr Musiktheater nicht allein in der Vergangenheit, sondern loten das Thema vom Verdacht, der «wie Gift in die Menschen dringt», in seiner ganzen Aktualität aus. So zitieren sie zwar Zeugenaussagen aus dem Avner Hexenprozess gegen Trina Pfiffer von 1664, wonach die Trina eine «böse Hegs» sei und das Wasser verdorben habe. Doch daneben tragen sie Gedichte der vor ein paar Jahren verstorbenen Schweizer Lyrikerin Erika Burkart vor, erzählen Walser Märchen nach oder rezitieren Balladen des Klassikers Theodor Fontane oder des Anarchisten Georg Kreisler. Dazwischen leuchten Zaubersprüche auf und Dadaistisches.

Gross ist auch die Bandbreite, in der sich das Künstlertrio musikalisch bewegt: Das Spektrum reicht von Psalmen aus dem Frühbarock, vertont von Heinrich Schütz, über Mendelssohn, Schuman und Haydn bis hin zu zeitgenössischen Improvisationen des Cellisten Bo Wiget.

So fügen sich im zehnten Auftragswerk des Vereins hexperimente – die bühne im avers Texte und Musik zu einer szenischen Fuge, in der die renommierten Schauspielerinnen Isabelle Menke (Schauspielhaus Zürich) und Eva Brunner (freie Szene, Berlin) sowie der begnadete Performer und Musiker Bo Wiget (Berlin) das Publikum behutsam und verspielt in menschliche Abgründe führen. Die Reihe hexperimente wird kuratiert von Ina Boesch und Corinne Holtz.

 
 

Sonntag, 14. August 2016
Wanderung

Wasserkraft und Landschaftsschutz

Wanderung Ostportal–Furgga–Valle di Lei und Führung durch Staumauer mit Raimund Rodewald (Landschaftsschutz Schweiz) und Guido Conrad (Kraftwerke Hinterrhein)


Literaturwanderung

Samstag, 30. Juli 2016

Landschaft lesen IV – mit Leo Tuor

Leo Tuor (*1959 in Sumvitg) hat vierzehn Sommer als Schafhirt auf der Greina-Hochebene verbracht. Diese Erfahrungen nähren bis heute sein langsam entstandenes Werk. Giacumbert Nau heisst sein erstes Buch (1988) – es erzählt in knappen Fragmenten aus dem Leben des gleichnamigen Schafhirten und ist neben dem jagdkritischen Settembrini, Leben und Meinungen zum Kultbuch geworden. Die Vorfahren «waren Hirten, Bauern und Jäger, keine Diplomaten, keine Offiziere, keine Priester. Väterlicher- und mütterlicherseits spielen die Frauen die wichtigsten Rollen. Die Männer sterben zum Teil früh, auffallend oft anfangs Mai», liest man auf der Website des Schrifstellers. Sein Hauptwerk ist die Surselver Trilogie: Giacumbert Nau, Onna Maria Tumera (2002), Settembrini, veta e meinis (2006). Diese Werke wurden mehrfach vertont und szenisch umgesetzt. 

2014 ist Cavrein erschienen, ein Roman, der an Settembrini und die (Ent)Mythologisierung der Jagd anknüpft. 2016 vernimmt man Tuors jüngstes literarisches Echo: den Sammelband Auf der Suche nach dem verlorenen Schnee. In den Erzählungen und Essays wird etwa die Lawine, einst ein Verhängnis, zur Quelle von Subventionen und Medienaufmerksamkeit. Der Bergler, entweder schweigend oder schwatzhaft, lebt mit Geistern, Heiligen und Tieren. Der Stil, so unaufgeregt wie poetisch, fesselt. Der Autor erklärt Lebensräume zur Welt, die dem Klischee und dem Zeitgeist trotzen. Die Magie dieser Sprache gleicht Musik und sichert dem stillen Autor einen ersten Platz in der Weltliteratur.

 
 
 

Foto Ayse Yavas (23x36cm, 300dpi)
Download: Leo Tuor

Literaturwanderung: Landschaft lesen mit Leo Tuor
Download: Pressetext  (PDF)

 

Brunner links oben, Menke rechts oben (16x20cm, 300dpi)
Download Bild: Isabelle Menke, Bo Wiget und Eva Brunner

hexperiment x: Wann treffen wir drei wieder zusammen –
von und mit Isabelle Menke, Bo Wiget und Eva Brunner
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